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Medienwissenschaft

„Angewandte Medienethik“ von Verena Stauffacher

Verena Stauffacher, „Angewandte Medienethik“, SAL-Eigenverlag, ISBN-Nr. 3-033-000515-2, Zürich, 2005

(mw) Es gibt die Arbeiten bestandener Medienwissenschafter von Berufs wegen. Es gibt die Diplomarbeiten Publizistikwissenschaft Studierender in Zürich, Bern, Fribourg. Bücher entstehen aber auch anderswo. Verena Stauffacher, die an der SAL, der 1969 von Paul Bänziger gegründeten Schule für Angewandte Linguistik in Zürich, studierte, ging hin und untersuchte die Verletzungen des berufsethischen Kodex’ des schweizerischen Presserates aufgrund dessen Stellungnahmen von 2000 bis 2003. Entstanden ist ein 132-seitiges Taschenbuch, das die Schule im August 2005 gleich selber editierte – und ein Fazit: „Eine steigende Zahl von Medienschaffenden scheint erschreckend wenig Hemmungen zu haben, die Berufsethik zu verletzen.“ Die harte Zahl dahinter: In den betreffenden Jahren verdoppelte sich die Zahl der Beschwerden. Die Summe der Fälle steigt auch, wenn man die Krankheit kennt und die Diagnosemittel hat, sie festzustellen. Dies sieht auch Autorin Stauffacher so: Zum einen habe der Bekanntheitsgrad des Presserats zugenommen. Zum andern liegt der Ball aber auch bei den Berufsleuten. Sie würden die berufsethischen Regeln weniger sorgfältig beachten. Verena Stauffacher wertete die Beschwerden gegen Medienschaffende, die beim Presserat eingingen, qualitativ und quantitativ und stellte am häufigsten die Verletzung der Pflicht fest, Betroffene bei schweren Vorwürfen anzuhören, die Entstellung von Tatsachen und die Verletzung der Privatsphäre, vorab durch unzulässige Namensnennung. In ihren Schlüssen bleibt sie vorsichtig – Wettbewerbsdruck, missverstandenes öffentliches Interesse, aber auch die mangelnde Kenntnis der ethischen und gesetzlichen Grundlagen sowie die fehlenden Sanktionen könnten mit der Zunahme etwas zu tun haben.

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